Man nehme ein Netbook, Linux und Windows ...


... und schon hat man das Allround-Gerät für das Shack.

Da ich eigentlich nur mit Linux arbeite, aber ab und zu auch das eine oder andere Windows Programm benutze (zwangsweise oder weil ich es möchte), müssten im Shack eigentlich zwei Rechner stehen. Platz ist da aber nie, eigentlich nicht mal für einen Rechner. Da ich viel mit Virtualisierungsumgebungen und Servern zu tun habe, wendete ich dieses Konzept einfach mal auf den Desktop an.

Unter Windows zählen HamOffice und Orbitron zu meinen Favoriten. Dazu kommen noch ein paar andere Programme, wie z.B. Morserunner, Berechnungsprogramme für Antennen usw. usw. Unter Linux verwende ich diverse Programme, das bekannteste dürfte wohl FL-Digi sein (ich weiß, das gibt es auch unter Windows, dazu später mehr).

Ich habe einfach ein Netbook genommen, dass Ideapad S205 von Lenovo ohne Windows, nur mit DOS für unter 300€ zu bekommen. Das Gerät hat einen 64 Bit Dual-Core Prozessor mit 1,6 GHz, ein Display mit 11,6" und 1366x768px, eine 320 GByte Festplatte und 2 GByte RAM. Ein schönes kleines Netbook.

Auf diesem Gerät habe ich die Mint Linux Variante LMDE installiert. Das ist schlank, hat eine einfache und schnelle grafische Oberfläche (Gnome) und bootet schnell. Die Installation war kein Problem, WLAN musste noch aktiviert werden, sonst lief alles Out-of-the-Box.

Für die Nutzung von Windows-Programmen unter Linux gibt es zwei Möglichkeiten, man verwendet Wine oder eine Virtualisierungssoftware wie VMware oder Virtualbox.Während z.B. Morserunner und Orbitron ohne Probleme unter Wine laufen, gibt es mit RufzXP und HamOffice Probleme. HamOffice läuft, ist aber praktisch nicht verwendbar, weil das Logging-Fenster so langsam im Bildaufbau ist, das man da einfach nicht mit arbeiten kann. Also schied hier Wine aus und es musste eine richtige Virtualisierungslösung her.

Normalerweise arbeite ich nur mit VMware, weil ich da halt viel mit zu tun habe. Aber für diesen kleinen Versuch habe ich mal Virtualbox verwendet. Virtualbox braucht man unter Linux einfach nur über das Paketmanagement zu installieren. Nach der Installation habe ich mit Virtualbox eine virtuelle Maschine mit Windows XP installiert. Der virtuellen Maschine habe ich einen Prozessor und 512 MByte RAM spendiert, sowie eine Festplatte mit 8 GByte. Das XP war schnell installiert. Für den Start habe ich mir ein paar Skripte angelegt, mit denen ich Virtualbox inkl. dem XP starte und stoppe. Anschließend habe ich unter dem XP alle Programme installiert.

Das Ergebnis ist eine 8 GByte große virtuelle Maschine mit HamOffice, Orbitron, Morserunner, RufzXP und eine ganze Reihe anderer Programme für den Funkamateur. Diese virtuelle Maschine läßt sich von Rechner zu Rechner kopieren und überall verwenden, wo ein Virtualbox zum Start der virtuellen Maschine zur Verfügung steht. Genau das ist ein weitere Vorteil von Virtualisierungslösungen, das Betriebssystem mit den installierten Applikationen wird transportabel.

Wie die neueren VMware Versionen bietet auch Virtualbox einen nahtlosen (seamless) Modus an. Dies bedeutet, die jeweiligen Fenster des Gast-Betriebssystems (in diesem Falle XP) werden einfach in den Desktop des Host-Betriebssystemes (in diesem Falle LMDE) eingeblendet.

Das sieht dann auf meinem Netbook so aus:

Der links zu sehende Dateibrowser ist Linux, auf der rechten Seite Windows. Im Hintergrund läuft das Windows Programm HamOffice, im Vordergrund FL-Digi in der Linux-Variante (mit einem SignaLink USB, quasi eine externe Soundkarte, die vom LMDE sofort erkannt wird). Unten rechts ist das kleine Steuerprogramm für meinen über WLAN gesteuerten Antennenumschalter zu sehen. Oben rechts integriert sich das Tool conky in den Desktop und zeigt diverse Systemparameter an. Die wichtigste Anzeige für den Funkamateur habe ich in etwas größere Schriftart definiert, die Anzeige von Uhrzeit und Datum nach UTC und lokaler Zeitzone.

Beide Systeme zusammen sind auf diesem kleinen Netbook, das kaum Platz auf dem Tisch benötigt und max. 18 Watt Leistungsaufnahme hat, ausreichend schnell. Windows läuft im Hintergrund mit, beim Berühren der oberen Bildschirmkante wird die Taskleiste von Windows eingeblendet. In der Schnellstartleiste sind dort die Verknüfpungen für die nötigsten Programme eingerichtet.

Fazit:

Mit dieser Lösung stehen beide Welten offen. Das Konzept würde auch andersherum funktionieren, d.h. Windows direkt auf den Netbook installieren und Linux als virtuelle Maschine. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass ein Windows in einer virtuellen Maschine sicherer läuft und das Netbook unter Linux schneller startet und in den StandBy-Modus geht. Deckel zu, Maschine schläft, Deckel auf, keine 5s später ist alles betriebsbereit. 2 Betriebssysteme nahtlos integriert. So macht das Spaß 😉

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