Über die Feiertage habe ich mich etwas mit WSPR beschäftigt. WSPR ist interessant für die Beobachtung von Ausbreitungsbedingungen und Wirkung von Antennen. Es wird dabei ein extrem schmalbandiges Signal von 6 Hz ausgesendet und von Stationen auf der Welt aufgenommen. Die Empfangsberichte werden in einer Datenbank, die über das Internet abrufbar ist, eingetragen. Diese Datenbank ist unter WSPRnet zu erreichen. Ebenso werden von der Software die eigenen Empfangsdaten in der Datenbank eintragen. Mit diesem System erhält man nahezu in Echtzeit Empfangsberichte.
Wer möchte, kann über die Datenbankabfrage "Specify query parameters" durch die Eingabe von meinem Rufzeichen die Empfangsberichte von mir einsehen. Dies geht ohne Anmeldung oder Angabe von weiteren Daten und ist jedem möglich.
Unter WSPRnet gibt es ebenfalls die Möglichkeit, eine Karte mit den Verbindungen anzuzeigen. Auch diese läßt sich nach Rufzeichen und anderen Filtern einschränken.
WSPR ist quasi ein Ableger von
WJST
, einer Software vom Nobelpreisträger Joe, K1JT. Diese Software ist primär für EME und diverse Scatter-Betriebsarten gedacht. Ich habe seit einiger Zeit ein Netbook, Lenovo Ideapad S12, für die digitalen Betriebsarten, Stationslog usw. in Betrieb. Für WSPR gibt es die Software für Linux und Windows unter
hier
zum Download. Die Software ist Open Source und kann auch im Quelltext bezogen werden, aber aufpassen, die mathematischen Routinen sind in Fortran
geschrieben.
Für den Betrieb werden die üblichen Gerätschaften wie Computer mit Soundkarte und Interface zum Transceiver benötigt. Ich benutze hierfür einen TS-570DG und ein Interface Marke Homebrew, das ich seit Jahren auch für PSK, RTTY usw. verwende. Die Installation der Software ist einfach und die Bedienungsanleitung gibt es in mehreren Sprachen. Daher will ich hier die grundlegenden Dinge nicht weiter erläutern.
Nach Inbetriebnahme von Interface und Software werden die empfangenen Signale aufgezeichnet und analysiert. Empfangene Stationen werden in einer Liste dargestellt und falls gewünscht an WSPRnet zur Datenbank übertragen (sollte man machen!). Ich verwende bevorzugt das 30m Band.
Wenn die Software einige Stunden läuft, können sehr schöne Beobachtungen über die Ausbreitungsbedingungen getroffen werden, da viele Stationen rund um die Uhr zu senden scheinen. Die Empfangsdaten werden permanent aufgezeichnet und am SNR können Verbesserungen oder Verschlechterungen erkannt werden.Natürlich ist man nicht nur Hörer, sondern kann auch selbst senden und damit feststellen, von welchen Stationen man gehört wird. Da diese Daten fast sofort (meist nur wenige Sekunden später) in der Datenbank, über das Internet abrufbar, verfügbar sind hat man eine Empfangsbestätigung meist von vielen Stationen, die geographisch gut verteilt sind. Das ist mit einem QSO nicht in kurzer Zeit zu schaffen, so daß WSPR wirklich für den Test von Antennen genutzt werden kann.
Meinen ersten Versuch habe ich mit einem Dipol von 2x4m Länge unter Dach getätigt. Damit hatte ich am Abend auf 30m VK6 empfangen und auch meine Aussendung wurde dort empfangen. Dazu habe ich die geringste Sendeleistung von 5 Watt des TS-570DG verwendet.
Heute hatte ich meinen provisorischen Außendipol angeschlossen und festgestellt, daß dieser wesentliche schlechter als der unterm Dach ist. Das hat mich doch etwas verwundert, da der Außendipol wesentlich länger ist und auch ein Stück höher hängt. Ich habe den alten Luftbalun ausgetauscht gegen einen Balun mit Kern (T200A mit 13 Windungen, bifilar). Und siehe da, es wurde gleich besser.
Nicht schlecht gestaunt habe ich über mehrfache Empfangsberichte von ZL2IFB, auch VK6 war wieder mehrfach vertreten. Wohlgemerkt, auch der Außendipol ist mehr ein Provisorium mit 2x10m Draht, ca. 8m 450 Ohm Balanced Line und ca. 30m RG213 Koax, abgestimmt mit dem internen Tuner des TS-570. Das waren immerhin über 18.000km mit einer Sendeleistung von 5 Watt!
Natürlich muß man beachten, daß WSPR extrem schmalbandig ist und diese Bedingungen nicht auf CW oder PSK 1:1 übertragen werden können. Aber man kann mit dieser Software und den vielen Stationen die weltweit mit WSPR permanent aktiv sind sehr schön seine Antennen, die Abstrahlrichtungen und die Ausbreitungsbedingungen beobachten, dies über lange Zeiträume, ohne permanent nach QSO Partnern suchen zu müssen.
Da die Daten auch lokal gespeichert werden, können mit einer Tabellenkalkulation wie GNumeric oder mit anderen Tools grafische Auswertungen erstellt werden, die für den "normalen" QSO Betrieb hilfreich sind.