2015-07-06
Eigentlich wollte ich diesen Bericht noch zu weiteren Builds ergänzen, aber das Release Datum für Windows 10 ist nun näher gerückt, so dass ich darauf verzichtet habe, weitere Builds zu testen. Dies ist doch immer etwas zeitaufwändig. Das Netbook habe ich mittlerweile mit einer 250 GByte SSD ausgestattet und aktuell läuft das Build 10130 sehr zuverlässig. Windows 10 soll am 29.07.2015 erscheinen. Nach dem Release gibt es dann einen neuen Bericht zu Windows 10 Release und Amateurfunksoftware.
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-Download-Reservierung-fuer-Windows-Nutzer-und-Release-Datum-2671886.html
Im Shack verwende ich ein Netbook von Lenovo, ein Ideapad S205. Das Gerät hat 2 x 1.6 GHz 64 Bit und seit ich Ubuntu 14.01 mit dem Unity Desktop installiert hatte, auch 8 GByte RAM. So richtig flüssig lief Ubuntu mit Unity nicht, so dass ich ein Downgrade zu Xubuntu gemacht habe. Das ist ja kein Problem unter Linux den Desktop zu wechseln. Letzte Woche Sonntag fand ich noch eine WD Scorpio Black mit 250GByte und 7.200 rpm im Regal, auf der ein Kubuntu war, was ich schon ewig nicht mehr benutzt hatte.
Seit einiger Zeit teste ich auf dem Desktop-Rechner unter VMware die Windows 10 Preview. So kam die Idee, Windows 10 auf dem Netbook, ohne Virtualisierung mit VMware oder VirtualBox zu testen. Das letzte ISO-Image der Windows 10 Pro Technical Preview
Build 9926
habe ich dazu auf einem USB Stick als Installationsmedium eingerichtet und die Scorpio Black im Netbook eingebaut.
2015-03-27
Update auf Build 10041 ohne Probleme gelaufen. Nur im Startmenü musste ich 3 Programme neu anheften.
Die Installation lief nahezu völlig problemlos. Es gab ein paar Probleme mit nicht verfügbaren Treibern, die auch Lenovo nicht mehr bereitstellt. Auf dieser Seite gibt es die Treiber für Windows 8.1, die problemlos unter Windows 10 einsetzbar sind. Der einzige Treiber, den ich nach Empfehlung der Website nicht eingesetzt habe, ist der für das Powermanagement. Das läuft aber auch ohne Original-Treiber einwandfrei.
Als weitere Hardware ist an dem Netbook ein 4-fach USB Seriell Wandler von Delock angeschlossen. Auch hier ist die Funktion mit den Windows 8 Treibern gegeben. Überhaupt keine Probleme bereitete das SignaLink USB Interface für die diversen Digimodes.
Nach der Installation habe ich mir die diversen Funktionen von Windows 10 angeschaut. Mein aktueller Stand von Windows war ja bei Windows 7 Prof. und Ultimate, mit Kacheln hatte ich bisher nur in anderen Umgebungen zu tun 😉 Bei Windows 10 gibt es wieder das Startmenü und die Kacheln sind auch nur dort zu sehen, in der Größe anpassbar. Eine wirklich schöne Funktion, endlich ohne Zusatztools, sind die virtuellen Desktops. Das Netbook hat auf dem 11.6" Display eine Auflösung von 1366 x 768 px, da sind virtuelle Desktops eine feine Sache. Außerdem ist man als unixoider Anwender diese Funktion seit ewigen Zeiten gewohnt. Für den Test habe ich allerdings ein 24" Display mit 1920 x 1200 px angeschlossen. Alle Funktionen, auch der erweiterte Desktop über 2 Displays, funktionieren ohne Probleme.
Die Performance auf dem relativ CPU schwachen Netbook ist überraschend gut. Während ich bei Ubuntu mit Unity nicht glücklich wurde, habe ich mit Windows 10 keine grafischen Gimmicks abgeschaltet. Das System läuft flott, reagiert prompt auf Eingaben und insgesamt gibt es sehr wenige Verzögerungen, die nur dann auftreten, wenn CPU lastige Software läuft, wie z.B. Fldigi.
Nach dem Test des Systems habe ich ein MS Office 2007 Professionell installiert. Full Installation natürlich und für E-Mail habe ich statt dem üblichen Thunderbird Outlook eingerichtet. Word, Excel und Outlook laufen gut auf dem kleinen Gerät.
Insgesamt gesehen bin ich von der Performance schon etwas beeindruckt, vor allem im Vergleich zum Ubuntu 14.04 mit Unity. Das ganze System erscheint mir schneller und flüssiger zu reagieren. Es macht richtig Spaß, damit zu arbeiten. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so gut auf dem kleinen Netbook läuft, wobei der Speicher von 8 GByte sicher nicht unerheblich ist.
Nach diesen positiven Erfahrungen habe ich begonnen allerlei Software zu installieren und zu testen. Dabei ist auch eine Menge alter Software und Software, deren Entwickler es immer noch nicht verstanden haben, dass man Programme und Daten trennt. Was unter unixoiden Systemen schon seit Jahrzehnten Standard ist, wurde mit Windows Vista eingeführt: Der gemeine Benutzer hat in den Installationspfaden der Programme keine Daten abzulegen, Stichwort UAC . In den diversen Foren wird immer wieder empfohlen, manche Software einfach mit Administratorrechten zu starten. Wer das macht, ist selbst schuld, wenn sein System kompromittiert wird! Anwendungsdaten haben nichts in den Installationspfaden der Software zu suchen und Anwendungen haben nicht mit Administratorrechten zu laufen. Auch unter modernen Windows Systemen ist das nicht erforderlich. Mit etwas Weitsicht kann Software, die unbedingt Daten in Installationspfaden ablegen will, so installiert werden, dass dies kein Problem ist. Software, bei der man dies weiß, kann gleich in einen anderen Ordner installiert werden, als in C:\Programme usw. Ich habe fast die gesamte Software in meinem Benutzerverzeichnis installiert. So sind keine Administratorrechte erforderlich, die Datensicherung meiner Daten nimmt die Programme gleich mit und das System bleibt sicher.
Für meinen Test habe ich überwiegend Software installiert, die ich unter Linux (zum Teil mit wine) für Hard- und Softwareentwicklung im Amateurfunk verwende. Dazu diverse Logprogramme und Programme für Digimodes sowie CW Software. Eine nicht vollständige Aufstellung:
- HAM Office 5
- UCXLog
- Morse Runner
- RufzXP
- Morse Machine
- WSPR
- Fldigi
- VOAProp
- Atmel Studio 6.2 (statt Code::Blocks für AVR)
- LTSpice IV
- mini Ringkern-Rechner
- KiCad
- und für die Softwareentwicklung mit C/C++ und FLTK Visual Studio 2013 Community
Visual Studio 2013, die freie Community Version hat es mir wirklich angetan. Eine Installation von FLTK 1.3 lief ohne Probleme, sämtliche Demos wurden einwandfrei erstellt und laufen. Beeindruckend! Um einen Vergleich zu Lazarus/Delphi zu bekommen, habe ich mich etwas mit Visual Basic beschäftigt. Als Editor hätte ich natürlich auch den VIM installieren können, habe aber Notepad++ verwendet.
Während ich unter Linux mit Eagle 4.16 Prof. arbeite, habe ich unter Windows 10 KiCad installiert. Auch unter Linux hatte ich bereits mit KiCad einige Versuche gemacht. Auf dem Netbook ist KiCad etwas ruckelig beim Zoomen mit dem Mausrad. Nicht schlimm, aber es fällt auf. Ich werde demnächst noch Eagle 4.16 unter Windows 10 testen.
Absolut problemlos waren die diversen Amateurfunkprogramme. Während Ham Office 5 extrem schnell läuft, habe ich den Eindruck, dass UCXLog etwas träger als bei Windows 7 / Linux mit Wine daher kommt. Besonders der Bildaufbau beim Verschieben des QSO Work Fensters mit der angehängten QSO Liste scheint mir langsamer als unter Linux mit Wine zu sein. Da diese Funktion in der Regel nur bei der Ersteinrichtung für die Positionierung der Fenster benötigt wird (bei der ein permanenter Refresh des Fensterinhaltes erfolgt), ist dies nicht gravierend. Sonst sind mir bisher keine Unterschiede aufgefallen. UCXLog und Ham Office haben auch keinerlei Probleme mit dem Transceiver über das CAT Interface zu kommunizieren. Bei UCXLog funktioniert auch die Tastung für CW einwandfrei, direkt und ohne Winkeyer. Ham Office verwende ich hauptsächlich im SWL Modus, UCXLog für QSO. Die Netzwerkfunktion von UCXLog konnte ich noch nicht testen.
Mit Fldigi hatte ich einige Probleme mit dem Speichern der Konfiguration für CAT und PTT Steuerung. Wenn die Ports nicht initialisiert werden konnten, wurden die Parameter nicht gespeichert. So muss erst alles richtig eingestellt und initialisiert werden, dann ist auch die Speicherung erfolgreich. Auch diese Funktion verwendet man in der Regel nur bei der Einrichtung.
Mein aktuelles Fazit lautet zu der Installation von Windows 10 auf einem kleinen Netbook, das diese Konstellation absolut QRP tauglich ist. Es ist für Windows 10 keine High-Power Maschine erforderlich, gegenüber Ubuntu 14.04 mit Unity geht das Arbeiten flüssig, was ich erst mit dem Downgrade auf Xubuntu erreicht hatte. Selbst solche geballten Pakete wie Visual Studio, KiCad und Office sind nutzbar. Ich bin wirklich beeindruckt!
Prima!
Hallo Tom,
prima gemacht und gut beschrieben. Es bleiben bei mir (vorerst) noch drei Fragen:
1. Gefuehlsmaessig: Meinst Du, dass Du diese Testversion von Win10 upaten kannst?
2. Grenzwertig: Kannst Du bitte mal noch leistungshungrige Software wie Skimmer und/oder SDR Software installieren.
3. Ich suche seit getraumer Zeit ein Netbook 10-11", aber die liegen mittlerweile alle bei 300+ €. Hast Du einen Tip?
Weiter so es 73 de Hajo
Moin Hajo,
zu 1.) Ich habe gerade eben ein Update von Build 9926 auf Build 10041 gemacht. Ohne Probleme! Man soll auch direkt von Windows 7 und Windows 8 updaten können. Ob man von der Preview später auf die Release updaten kann, weiß ich aktuell nicht.
zu 2.) Welche SDR Software würdest Du vorschlagen für einen RTL SDR? Was anderes habe ich nicht. FlDigi braucht auf dem kleinen Gerät schon heftig CPU Last. Man merkt es, aber es stört nicht weiter.
zu 3.) Schwierig, für den Preis. Der Markt ist da dünn. Bei Amazon gibt es noch das Ideapad S210, den Nachfolger von meinem S205. Das hat aber ein Klavierlack-Gehäuse. Wenn ich noch mal eines bräuchte, würde ich das Thinkpad 11e in Erwägung ziehen. Kostet aber wesentlich mehr.
Schöner Beitrag! Das scheint ja wirklich relativ problemlos zu sein!
Danke für die ausführliche Beschreibung! Hattest du auch schon mal win 7 auf deinem Netbook?
Ich habe ein Eeepc1000, was unter win7 deutlich langsamer als unter dem originalen WinXP ist. Ob Win10 da eine Alternative ist?
vy 73!
Manfred, DL2KMK
Moin Manfred,
auf dem Netbook war kein anderes Windows. Das war eines der Geräteserie, die man ohne Betriebssystem kaufen konnte. Da war bisher ein Linux Mint und ein Ubuntu (downgraded nach Xubuntu) drauf. Ich habe bisher den Eindruck, dass Windows 10 weniger Ansprüche stellt, als Windows 7. Ich hatte die Tage mit Visual Studio 2013 auf dem Gerät ein kleines Programm mit VB.Net für meinen über WLAN gesteuerten Antennenumschalter erstellt. Das ging wirklich gut, ich war richtig überrascht, wie flüssig selbst Visual Studio 2013 darauf läuft. Wie aber schon im Beitrag erwähnt, die 8 GByte RAM sind natürlich ein Faktor, der große Auswirkungen auf die Performance hat.
73, Tom